DLR-Rating reicht nicht: Wiederholen oder Plan B?

Dein DLR-Rating reicht nicht für die Wunsch-Airline? Wiederholung nach 6 Monaten, private Flugschule, modulare Ausbildung oder DFS – ehrlich erklärt.

Read this article in English
Nahaufnahme eines Cockpit-Instruments mit Zeiger und Skala
Kurz gesagt

Beim DLR-Zertifikat gibt es kein «durchgefallen», aber Airlines verlangen Mindest-Ratings. Reicht deines nicht, kannst du wiederholen (DLR empfiehlt 6 Monate Pause, alle Bereiche neu, das bessere Zertifikat bleibt 2 Jahre gültig) oder über private Flugschule, modularen Weg oder DFS weitergehen.

Das Zertifikat liegt im Postfach, du öffnest die PDF-Datei, und irgendwo steht ein C oder D, wo deine Wunsch-Airline ein A oder B sehen will. Das fühlt sich wie ein Urteil an. Es ist keines. Das DLR schreibt auf seiner Zertifikatsseite ausdrücklich, dass das Zertifikat keine Auswahlentscheidung enthält. Du hast eine Messung bekommen, keinen Stempel «ungeeignet».

Trotzdem hilft Schönreden nicht weiter: Wenn das Rating unter der Schwelle deiner Airline liegt, ist dieser Weg im Moment zu. «Im Moment» ist dabei wörtlich gemeint, und daneben gibt es mehrere seriöse Wege ins Cockpit oder in einen verwandten Beruf.

Dieser Artikel geht die Optionen der Reihe nach durch: wiederholen, private Flugschule, modulare Ausbildung, andere Airlines, Flugsicherung. Alle Angaben haben den Stand September 2026; verbindlich sind immer die Seiten des DLR, der Flugschule und der Airline.

Kann man beim DLR-Test überhaupt durchfallen?

Beim DLR-Zertifikat Cockpit nicht: Jede Person, die teilnimmt, erhält nach Zahlungseingang ein Zertifikat. «Nicht gereicht» entsteht erst im zweiten Schritt, weil Airlines und Flugschulen ihre Mindest-Ratings selbst festlegen.

Das Zertifikat beschreibt deine Ergebnisse in vier Bereichen nach EASA-Kriterien: kognitive Grundfähigkeiten, operationelle und berufliche Kompetenzen, Persönlichkeit und soziale Kompetenzen. Laut European Flight Academy (EFA) werden die Kompetenzbereiche mit Ratings von A bis D ausgewiesen, und für eine Bewerbung bei der EFA brauchst du ein bestimmtes Mindest-Rating, das die EFA in einem eigenen Dokument veröffentlicht.

Daraus folgen zwei Dinge. Erstens: Dasselbe Zertifikat kann für eine Flugschule zu schwach und für eine andere ausreichend sein. Zweitens: Ein schwaches Rating in einem Bereich sagt dir ziemlich genau, wo du ansetzen musst.

Anders liegt der Fall bei airline-eigenen Verfahren, etwa einem Assessment Center. Dort gibt es sehr wohl eine Zu- oder Absage, und ob du es erneut versuchen darfst, regelt die jeweilige Airline. Mehr zur Abgrenzung steht unter DLR-Test nicht bestanden – was nun?.

Wann und wie kann ich den DLR-Test wiederholen?

Das DLR empfiehlt bis zur Wiederholung eine Wartezeit von 6 Monaten, und du musst alle Bereiche neu ablegen, nicht nur den schwachen. Die EFA nennt in ihrer FAQ keine eigene Sperrfrist: Du kannst dort jederzeit einen neuen Termin buchen.

PunktDLR-Zertifikat Cockpit (direkt beim DLR)Buchung über den EFA-Webshop
Wartezeit6 Monate empfohlenkeine Sperrfrist seitens EFA
Umfangalle Bereiche neualle Bereiche neu
Preis 2026417.69 € zzgl. MwSt.regulär 427 €
StandorteKöln, Hamburg, ab Oktober 2026 auch WienHamburg, Mailand oder Zürich
Gültigkeit2 Jahre2 Jahre

Quellen: Zertifikatsseite des DLR und FAQ bzw. Buchungsseite der EFA, Stand September 2026.

Zwei Details nehmen Druck aus der Entscheidung. Eine Wiederholung wird laut DLR nicht auf dem Zertifikat vermerkt. Und fällt der zweite Versuch schlechter aus, kannst du das erste Zertifikat weiterverwenden, solange es gültig ist; welches du einreichst, entscheidest du.

Dass man jederzeit neu buchen kann, heisst nicht, dass man es soll. Die sechs Monate des DLR sind eine Empfehlung mit gutem Grund: Arbeitsgedächtnis, Kopfrechnen unter Audio oder räumliches Vorstellungsvermögen verbessern sich über Wochen, nicht über Tage. Wer nach vier Wochen ohne neuen Plan wieder antritt, bezahlt meistens für dasselbe Ergebnis. Die Kurzfassung der Regeln findest du auch unter Kann man den DLR-Test wiederholen?.

WichtigRabattaktionen haben eigene Bedingungen. Der EFA-Herbstrabatt 2026 (327 € statt 427 €, Termine bis 31.12.2026) gilt laut EFA einmal pro Person, und solche Termine lassen sich weder umbuchen noch erstatten.

Wie nutze ich die Pause bis zum zweiten Versuch sinnvoll?

Mit einer Fehleranalyse je Modul in der ersten Woche und einem festen Wochenplan danach. Einfach «mehr üben» reicht selten, weil du damit vor allem das trainierst, was dir ohnehin liegt.

So kannst du vorgehen:

  1. Testtag aufschreiben, solange die Erinnerung frisch ist. Welche Aufgaben fühlten sich fremd an? Wo lief die Zeit davon? Notiere das für dich, ohne Originalaufgaben weiterzugeben.
  2. Zertifikat Bereich für Bereich lesen. Ein schwaches Rating bei den kognitiven Grundfähigkeiten verlangt ein anderes Training als eines in Englisch oder im technischen Wissen.
  3. Ursache benennen. Format unbekannt, Tempo zu hoch, Wissenslücke, Nervosität oder schlicht zu spät angefangen? Jede Ursache hat ein anderes Gegenmittel.
  4. Plan auf Wochen herunterbrechen. Kurze tägliche Einheiten schlagen den Wochenend-Marathon. Eine Vorlage liefert der 8-Wochen-Trainingsplan.
  5. Wissensfächer separat lernen. Englisch, Technik und Physik sind klassischer Lernstoff. Hier bringen Bücher, Podcasts und notfalls ein Sprachkurs mehr als jedes Reaktionstraining.
  6. Letzte drei Wochen wie beim ersten Mal. Das DLR empfiehlt, die mitgeschickten Trainingseinheiten über drei Wochen zu verteilen. Wie das konkret aussieht, zeigt der Artikel Termin steht: die letzten 3 Wochen.

Für die tägliche Routine eignet sich eine App wie der DLR Test Trainer: Die Fehleranalyse nach jeder Einheit zeigt dir etwa, welcher Aufgabentyp dich beim Kopfrechnen Punkte kostet. Sie ersetzt die offizielle Vorbereitungssoftware des DLR nicht, und den Joystick-Test MIC trainiert sie nicht. Dafür brauchst du Desktop-Software, siehe MIC: der Multitasking-Test.

Kann ich auch ohne DLR-Test Pilot oder Pilotin werden?

Ja. Viele private Flugschulen (ATO, Approved Training Organisation) bilden nach denselben EASA-Regeln zur Berufspilotenlizenz aus und verlangen kein DLR-Zertifikat. Am Ende steht dieselbe Lizenz; der Unterschied liegt beim Geld und bei der Frage, wer dich danach anstellt.

Die Chancen: Du bist nicht an eine einzelne Airline-Gruppe gebunden und kannst oft früher beginnen. Die Risiken solltest du genauso klar sehen:

  • Selbstfinanzierung. Modelle wie bei der EFA in Deutschland (10'000 € Eigenanteil, der Rest über einen Bildungsfonds mit einkommensabhängiger Rückzahlung) oder das SWISS-Ausbildungsdarlehen in der Schweiz sind an das jeweilige Auswahlverfahren geknüpft. An einer freien Schule trägst du die Kosten in der Regel selbst oder über einen Kredit. Einen neutralen Überblick gibt der Artikel Pilotenausbildung: Kosten und Finanzierung; verbindliche Auskünfte geben offizielle Stellen wie das BAZL oder deine Bank, nicht ein Blog.
  • Keine Airline-Anbindung. Nach der Ausbildung bewirbst du dich auf dem freien Markt. Eine Garantie gibt es nicht; die hat man auch an der EFA nicht, dort aber einen definierten Weg zu den Airlines der Lufthansa Group.
  • Die Auswahl kommt später trotzdem. Wer ausgebildete Pilotinnen und Piloten einstellt, prüft sie mit eigenen Verfahren. Laut dem Vorbereitungsanbieter Easyflight Training setzen etwa Austrian Airlines und Air Dolomiti für fertig Ausgebildete ebenfalls einen DLR-Test als erste Stufe ein. Den Eignungstest zu umgehen heisst also oft nur, ihn zu verschieben – mit einem Kredit im Rücken.
  • Qualitätsunterschiede. Prüfe, ob die Schule von der nationalen Behörde (LBA, BAZL, Austro Control) als ATO zugelassen ist, frag nach Verträgen, Zahlungsplänen und danach, was bei einem Abbruch geschieht.
TippMach das flugmedizinische Tauglichkeitszeugnis Klasse 1, bevor du irgendwo einen Ausbildungsvertrag unterschreibst. Ohne Medical nützt die beste Schule nichts, und das BAZL empfiehlt denselben Schritt vor einem Finanzierungsgesuch.

Was bringt die modulare Ausbildung als Alternative?

Sie verteilt Kosten und Risiko auf Etappen. Statt eines durchgehenden Vollzeitkurses erwirbst du die Lizenzen nacheinander: zuerst die Privatpilotenlizenz, dann ATPL-Theorie, Flugstunden sammeln, Berufspilotenlizenz, Instrumentenflug und Mehrpersonen-Cockpit-Training.

Der Vorteil für jemanden, dessen DLR-Rating nicht gereicht hat: Du kannst nebenher arbeiten, bezahlst Schritt für Schritt und merkst schon bei der Privatpilotenlizenz, ob dir das Fliegen wirklich liegt. Der Nachteil: Es dauert meist länger, verlangt viel Selbstorganisation, und manche Airlines bevorzugen bei Berufseinsteigern Absolventen durchgehender Kurse. Beachte ausserdem, dass die EFA laut ihrer FAQ keine Bewerbungen von Personen mit Berufspilotenlizenz annimmt; eine Privatpilotenlizenz ist dort kein Hindernis. Wer modular bis zur Berufslizenz geht, hat sich also gegen den Ab-initio-Weg der Lufthansa Group entschieden.

Gerade für Quereinsteiger ist das oft der realistischste Weg, mehr dazu im Artikel Pilot werden mit 30, mit Brille, ohne Abitur.

Welche Airlines testen ohne DLR?

Viele. Das DLR ist ein wichtiger, aber nur einer von mehreren Testanbietern, und etliche Airlines bauen ihre Auswahl selbst oder mit anderen Dienstleistern.

Zwei Beispiele mit offizieller Quelle: Condor schreibt im eigenen Karriereportal, dass DLR-Zertifikate dort weder im positiven noch im negativen Fall anerkannt werden; die erste Stufe des Ab-initio-Programms läuft über die Interpersonal GmbH in Hamburg. Cargolux beschreibt psychometrische Tests, die eigens für das Unternehmen entwickelt wurden. International sind laut Anbieter-Übersichten zudem die Tests von cut-e (Aon) verbreitet.

Ein schwaches DLR-Zertifikat folgt dir also nicht automatisch zu jeder Airline. Aber Vorsicht vor dem Umkehrschluss: Auch andere Verfahren prüfen Arbeitsgedächtnis, Rechnen, räumliches Denken und Multitasking. Wer im DLR-Test an den Grundfähigkeiten gescheitert ist, wird sie auch dort brauchen. Eine Übersicht mit Quellenlage steht im Artikel Welche Airlines nutzen den DLR-Test?.

Ist Fluglotse bei der DFS eine Alternative?

Für manche ja, aber nicht als leichtere Variante. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) wählt ihren Nachwuchs ebenfalls mit DLR-Verfahren in Hamburg aus, allerdings mit einem anderen Anforderungsprofil als im Cockpit.

Laut AERO International vom 12.11.2025 beginnt die Auswahl mit einem Online-Assessment, gefolgt von einer zweiteiligen Untersuchung beim DLR: computerbasierte Tests zu Belastbarkeit und Merkfähigkeit sowie ein Teil zu Teamfähigkeit und Motivation. Als Voraussetzungen nennt der Bericht unter anderem Abitur, ein Höchstalter von 24 Jahren bei der Bewerbung und sichere Deutsch- und Englischkenntnisse; die Ausbildung dauert zweieinhalb bis dreieinhalb Jahre. Prüfe die aktuellen Bedingungen direkt im Karriereportal der DFS, in der Schweiz ist Skyguide die entsprechende Adresse.

Der Beruf ist eigenständig: Schichtdienst am Boden, enorme Verantwortung, kein Reisen. Wer ihn nur als Trostpreis sieht, wird im Auswahlgespräch kaum überzeugen. Wen aber das System Luftverkehr fasziniert, der findet hier eine echte Option.

Wie finde ich heraus, welcher Weg zu mir passt?

Indem du dir ein paar Fragen ehrlich beantwortest, am besten schriftlich und mit etwas Abstand zum Ergebnis.

  • Wie knapp war es? Ein einzelner Bereich knapp unter der Schwelle nach kurzer Vorbereitung ist eine andere Ausgangslage als durchgehend schwache Ratings trotz monatelangem Training.
  • Wie gut war die Vorbereitung wirklich? Hast du die offizielle Software vollständig genutzt und über Wochen trainiert, oder waren es zwei hektische Wochenenden?
  • Was zeigt das Training seither? Verbessern sich deine Werte messbar, ist ein zweiter Versuch gut begründet. Stagnieren sie über Wochen, ist auch das eine Information.
  • Was willst du eigentlich? Das Cockpit einer bestimmten Airline, das Fliegen an sich oder die Luftfahrt als Arbeitswelt? Je nach Antwort sind private Flugschule, Privatpilotenlizenz, Flugsicherung oder ein technischer Beruf stimmiger als ein dritter Anlauf.
  • Was kannst du finanziell tragen, wenn nach der Ausbildung nicht sofort eine Stelle folgt?

Das DLR testet bis zu 10'000 Bewerberinnen und Bewerber pro Jahr, und eine offizielle Quote, wie viele davon die Anforderungen ihrer Airline erfüllen, gibt es nicht. Misstraue deshalb Forenzahlen in beide Richtungen. Mehr dazu im Artikel DLR-Test: Erfahrungen.

Ein zweiter Versuch ist kein Makel, und ein anderer Weg ist kein Scheitern. Unklug wäre nur, ohne Analyse denselben Versuch zu wiederholen oder aus Trotz einen hohen Kredit aufzunehmen.

Quellen

Häufige Fragen

Beim DLR-Zertifikat Cockpit nicht. Alle Teilnehmenden erhalten ein Zertifikat mit Ratings in vier Bereichen, und das DLR trifft keine Auswahlentscheidung. Ob dein Ergebnis reicht, hängt vom Mindest-Rating ab, das die jeweilige Airline oder Flugschule selbst festlegt.

Geschrieben vonNoa Walser

Entwickelt DLR Test Trainer und bereitet sich selbst auf den DLR-Test vor. Schreibt hier über Testarten, Strategien und den Weg ins Cockpit – unabhängig, mit Quellen und ohne Originalaufgaben. Mehr über mich